Herrscherbild in totaler Inszenierung.
Private Bilder, öffentliche Personen.
Internet-Bilderberg neu interpretiert.
Herrenlose Tiere – und der Mensch, tierischer als jedes Tier.
Räume als Botschaft, Palastprunk und Lehmhütte.
Die Stalin, Mao und Hitler dieser Welt werden gleichermaßen
vernichtet und wieder verdichtet.

Die Arbeit Herrscherbilder entstand in Zusammenarbeit von Nora Gissel und Jan Nelles. Mittlerweile ist diese dreiteilige Arbeit als Wanderausstellung unterwegs. Ein Exposé zu der Wanderausstellung schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.

Die Methode: Retusche

Fotografien sind der bildliche Teil der Geschichte, als kollektives Bildgedächtnis überdauern sie Generationen und die abgebildeten Protagonisten. Die sichtbare Welt schreibt sich in das fotografische Material ein und wird zum Dokument zeitlich und räumlich definierter sichtbarer Wirklichkeit. Die Manipulation des fotografischen Bildmaterials, ist fast so alt wie die Fotografie selbst. Zu Stalins Zeiten wurden Fotografien selten hinterfragt. Das bekannteste Beispiel ist wohl Stalin, der Leo Trotzki und viele andere, die er nicht mehr zu seinen Freunden zählte, aus bereits veröffentlichten Bildern heraus retuschieren ließ. Das Verschwinden von der politischen Bildfläche einer in Ungnade gefallenen Person wird in Bilddokumenten nachvollzogen. Die physische Elimination war nicht genug, um die Personen aus der Geschichte und der Erinnerung zu löschen und gleichermaßen symbolträchtig die Macht des Regimes zu demonstrieren. Auch Hitler, Mao und andere Herrscher nutzten dasMittel der Bildmanipulation für ihre Zwecke und Propaganda. In einem Teil der Medienbilder arbeiten wir mit derselben Waffe, demselben Instrument und entfernten jeweils den Protagonisten – stellvertretend für das Machtzentrum – aus den Medienbildern. Angelehnt an die collagenartigen Fotografien des Konzeptkünstlers John Baldessari und damit seiner Dekonstruktion der Postmoderne, verschwindet das zentrale Individuum aus dem „found footage“.

Das fiktive PortraitFiktives Portrait

Portrait eines fiktiven Despoten als digitale Collage. Das Bild besteht aus Versatzstücken fotografischer Portraits von verstorbenen und noch lebenden Diktatoren, Despoten, Autokraten – subsumiert unter dem Begriff des Herrschers. Der nahtlose Übergang der verschiedenen Teile wirkt auf den ersten Blick als das Abbild einer Person. Nähert sich der Betrachter dem großformatigen Bild, entlarven die Dissonanzen die monströse Natur als Ergebnis einer Bildchirugie. Die unterschiedlichen Hauttypen und Farbigkeit, von grobporige und mit Adern durchsetzte bis zu bleichen glattrasierten Partien, die sich über das gesamte Portrait erstrecken, lassen erkennen, dass es sich hierbei um eine artifizielle Bildkreation handelt. Wie Frankensteins Monster wird der menschliche Baustoff verarbeitet. Die debile äußere Fassade, die bei dem Portrait herausgearbeitet ist, versteht sich als Anlehnung an die italienische Portraitmalerei der Renaissance, denn das Bild konzentriert verschiedene Wesenszüge der Herrscher.

Hintergrund der Arbeit

2011 ist das Jahr des Aufstands in der Arabischen Welt. Der Frühling ist ausgebrochen und illegitime Herrscher mussten ihren Thron räumen. Nun bangen Herrscher in der gesamten Welt um ihre Macht. Die Kraft dieser Bewegung und damit der aktuelle Beweis für die Vergänglichkeit von Macht haben uns dazu inspiriert anhand von einer dreiteiligen Arbeit die Bildlichkeit von Herrschern, die Selbstinszenierung und die Verschiebung von Machtverhältnissen zu untersuchen. Repressive Regimes hinterlassen nach dem Umbruch ein Machtvakuum und die dahinterliegenden Strukturen existieren allzu oft noch lange weiter. Missstände ganzer Länder können nicht durch das Ausradieren einer einzelnen Person aufgelöst werden. Ähnlich verhält es sich auch mit den Medienbildern: das Machtzentrum verschwindet, aber die Räume, die Soldaten und das Volk bleiben doch dasselbe. Die Ausstellung ermöglicht dem Betrachter eine aktive Rolle einzunehmen. Die den Medien entnommenen und manipulierten Fotografien bilden zahlreiche Verknüpfungen zum kollektiven Gedächtnis. Wiedererkennen, das Suchen in den Bildern und das Diskutieren über die Inhalte rücken in den Vordergrund.

 

Kinderbilder

In einer sachlichen und nüchternen Präsentation verhalten sich die Kinderbilder zu dem großen, weißen Passepartout klein und fast verloren. Sie umgibt nichts als der Weißraum, der für die Fülle an Assoziationen steht, die sich mit der späteren Geschichte dieser Kinder verbinden. Es sind einige der wenigen nicht inszenierten Fotografien der Herrscher. Gerade deshalb sind sie von besonderer Bedeutung und lassen uns mehr über ihr Wesen erahnen, als es alle später entstandenen Bilder tun.